MADE IN DETROIT

Christiane Meixner
3.1.2009 0:00 Uhr

Eine Themenausstellung macht selten glücklich – die Künstler nicht, deren Arbeit nun – die Künstler nicht, deren Arbeit nun schlimmstenfalls illustrierend wirkt. Und auch den Besucher nicht, dem vor lauter inhaltlicher Vorgabe schnell die Vieldeutigkeit der Werke entgeht. Wie gut, wenn man zwischendurch auf löbliche Ausnahmen trifft. Dazu gehört Detroit, eine Gruppenschau junger Künstler aus dem amerikanischen Nordosten in der Berliner Galerie Eva Bracke (Torstraße 170, Finissage: heute und morgen von 14–18 Uhr).

Viel mehr als der Titel verbindet die Zeichnungen, Gemälde, Fotografien und kleinen Lederskulpturen von Mary Fortuna (je 700 €) tatsächlich nicht. Und natürlich das Leben in einer Stadt, die sichtlich von den industriellen Verwerfungen der letzten Jahrzehnte gezeichnet ist. Detroit, könnte man sagen, hat sich mehrfach gehäutet – seine leeren Fabriken und verlassenen Vorstädte sind die Reste dieses Prozesses. Aus diesem Bodensatz der Geisterquartiere neben einem boomenden Wirtschafts- und Vergnügungsviertel im Zentrum schöpft ein großer Teil der 13 Künstler. Anders allerdings, als man es sich mit den Klischeebildern einer sterbenden Stadt im Kopf vielleicht vorstellt. So nimmt Marla Karimipour die Landschaft in ihren kleinen Gemälden (je 850 €) klassisch amerikanisch aus dem bewegten Fahrzeug wahr, während Vagner Whitehead den Alltag auf Blättern mit witzigen Icons (je 300 €) umsetzt. Selbst wenn Fortunas an Stricken baumelnde Körper namens „Sad Rabbit“ oder „Black Sheet“ etwas morbide wirken oder die mehrfach verfremdeten Fotografien von Stig Eklund mit ihren einsamen Hotelgästen Melancholie verbreiten: Am Ende sind diese Figuren noch lange nicht. Eher verpuppt oder eingesponnen in einem Zustand der Transformation, von dem man bloß zurzeit nicht weiß, wo er hinführen wird.


(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.01.2009)

http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,2696265

Vier Jahre, nachdem die Großausstellung „Shrinking Cities“ Kunst in Detroit thematisiert hat, bringt nun auch Galeristin Eva Bracke 13 Künstler aus „Motor City“ nach Berlin und zeigt zum Thema „Changing Cities“ Gemälde, Fotos, Installationen, Videos und Skulpturen. Das Bild, das die Künstler von Detroit zeichnen, ist oft düster, es gibt aber auch Hoffnungsvolleres wie Alison Wongs Eichhörnchen, deren Schwänze ein Herz formen (Foto).


Galerie Eva Bracke, bis So 4.1., Di-Fr 12-18, Sa 14-18 Uhr

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 31.12.2008)

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Ticket;art2811,2694086